Hallo Rick,
Ich sehe die Sachlage etwas anders.
Worum geht es? Ein Verkehrsminister setzt sich dafür ein, in ausgewählten Kurven (vermutlich Unfallschwerpunkte) weiße Kreise auf die Straße zu malen. Ziel ist es, die Zahl der Motorradunfälle zu senken.
Ist das ein gutes Motiv? Ich finde ja, denn erstens zeigt es, dass Motorradfahrer als Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden, denn alternativ könnte man ja auch einfach die Geschwindigkeit begrenzen oder Streckenverbote aussprechen. Und zweitens sollten niedrigere Unfallzahlen in unser aller Interesse sein, denn hohe Unfallzahlen bringen Motorradfahrern eine negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
Ist die Maßnahme für den angedachten Zweck sinnvoll? Das ist natürlich nur höchstens allgemein und nicht für jede Kurve zu beantworten. Die österreichische Studie, die ich oben verlinkt habe beschreibt die Ausgangslage sehr genau:
Die Unfallursachen nach Häufigkeit:
1. Sturz vom Motorrad 10%
2. Abkommen rechts in der Linkskurve 8%
3.-6. Kreuzungsunfälle
7. Abkommen links in der Rechtskurve 3,6%
Es geht also um die zweithäufigste Unfallart. Dabei ist es erstaunlicherweise so, dass die Hälfte aller verunfallten Fahrer bei dieser Unfallart auf dem Motorrad sitzend in die Leitplanke fahren bzw. von der Fahrbahn abkommen, also ohne vorangegangenen Sturz. Die Ursache dafür ist eine falsche Linienwahl von 95% aller Motorradfahrer (!) zu weit an der Fahrbahnmitte. Kommt es zu einer Gefahrensituation durch Gegenverkehr, können die meisten Motorradfahrer noch ausweichen, aber schaffen es nicht mehr auf der Fahrbahn zu bleiben, weil sie entweder nicht stark genug bremsen können oder nicht in der Lage sind genügend Schräglage einzunehmen. Die Ursache ist also eine Kombination zweier Fahrfehler. Wenn die Motorradfahrer durch Markierungen jetzt signifikant bessere Fahrlinien wählen (an der untersuchten Kurve 23/59% vorher/nachher) werden die Unfallzahlen garantiert sinken, denn die Unfallursache wird reduziert. Also ist die Maßnahme auf jeden Fall sinnvoll.
Steht der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen? Schwer zu beantworten, denn wie hoch bewertet man ein Menschenleben? Vielleicht könnte man mit dem gleichen Geldbetrag mehr ertrinkende Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten? Der Motorradfahrer wählt das Risiko ja schließlich selbst, der Flüchtling hat vielleicht gar keine andere Wahl, oder doch? Oder doch besser Schulklos sanieren? Ich kann diesen Punkt nicht beantworten. Aber grundsätzlich kann ja jeder bei uns an der Wahlurne mitbestimmen welche Politik gemacht werden soll.
Und so komme ich zum letzten Punkt. Ich finde es sehr unglücklich, wie du versuchst, Herrn Krischer persönlich zu diffamieren. Erstens ist das schlechter Stil und trägt dazu bei, Hass gegen Politiker zu legitimieren, der am Ende dazu führt, dass irgendein Idiot am Ende tatsächlich Gewalttaten gegen einen Politiker verübt. Und zweitens hilft es uns Motorradfahrern nicht in der Sache ernst genommen zu werden, wenn wir auf einer unsachlich persönlichen Ebene in solchen Diskussionen auftreten.
Du darfst trotzdem gerne anderer Meinung zur Sinnhaftigkeit der Kreise sein, ist überhaupt kein Problem für mich. Das hat auch alles nichts mit Obrigkeitshörigkeit zu tun, sondern nur mit Respekt, den Herr Krischer genauso verdient hat wie du und ich.
Ich wünsche dir noch schöne Ostertage!
Gruß Thilo