Ich glaube, man kann sich davon verabschieden, ein Motorrad als Wertanlageobjekt mit nominalem Steigerungspotential zu betrachten, und darauf zielen diese ganzen Spezifitäten ja ab. Motorräder haben bei den geburtenstarken Jahrgängen noch einmal einen unverhofften Kultstatus erfahren, nachdem sie bis dahin m.o.w. nur reine Arbeitsesel und die kostengünstigere Alternative zum Auto gewesen waren. Über 80% der männlichen 60er Jahrgänge haben in der Folge "den Einser gleich mitgemacht" (ich selbst kenne keinen Einzigen aus der Zeit, der nur den Dreier machte) - ganz im Gegenteil zu den nachrückenden Jahrgängen, mit einem Minimum heute.
Das spiegelt nichts weniger als das stetig nachlassende Interesse an motorisierten Zweirädern seit dieser Zeit wider. Und darin ist hinsichtlich der zu erwartenden Wertentwicklung der demographische Wandel noch nicht einmal berücksichtigt. Mit anderen Worten: Die meisten Motorradenthusiasten (insbesondere der alten Klassiker) werden demnächst aussterben. Ich bezweifle darüber hinaus, dass die Mehrzahl der Wenigen, die sich überhaupt noch so einen ultrateuren mehrstufigen Motorradführerschein antun, weiß, was z.B. eine Le Mans I ist.
Also, als bekennender Liebhaber und Sammler alter Kisten aus meiner Jugend: Ich kann die Begeisterung und die Bereitschaft, viel Geld für schönes altes Gerät rauszureichen, absolut nachvollziehen. Aber eine lückenlose Besitzerdokumentation mit Kaufverträgen und Original-Händlerbeleg wäre mir wirklich Schnuppe, weil es zukünftig einfach niemanden mehr interessieren wird. Das Maximum der Preise, die man mit zusätzlichen Devotionalien wie diesen vielleicht nochmal perspektivisch zu optimieren hofft, dürfte darüber hinaus bereits knapp hinter uns liegen. Genießt die alten Schönheiten und fahrt sie vor allem, aber findet euch damit ab, dass ihr (und eure Erben) euer Geld, Stand heute, nicht wederbekommen werdet. Dafür hat man sowas m.E. aber auch nicht 🙂