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Lutz

Unbekanntes Friaul - Teil I

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Hallo Gemeinde, nach langer Forumsabstinenz mal wieder ein Reisebericht von mir, der Winter bietet sich ja dafür an.

 

Mindestens einmal im Jahr brauche ich einen mehrtägigen "Lonely-Rider-Ritt", der meist in die Alpen führt. Großartige Planung mag ich nicht, Termin: wenn das Wetter passt und ich frei habe, das Zielgebiet lege ich auch nur grob fest. Eine gemütliche Tour durch das Friaul ganz im Nordosten Italiens wurde es, dünn besiedelt und bisher vom Massentourismus verschont.  Pässe über 2000m Höhe sucht man hier vergebens - aber die Landschaft der Karnischen und Julischen Alpen ist fantastisch.

Ende August 2018, mein Alteisen (Mille GT) ist startklar:  

Mit Minimalgepäck ging es nahezu autobahnfrei von Nürnberg aus über Regensburg und Landshut zunächst zum Chiemsee und weiter durch die Entenlochklamm hinüber nach Sankt Johann in Tirol. Über Kitzbühel, den Pass Thurn, den Felbertauerntunnel (den Massentourismus am Großglockner wollte ich mir nicht antun) , Lienz in Osttirol und den Gailbergsattel gelangte ich nach Kötschach-Mauthen in Kärnten, wo ich beim "Kirchenwirt Engl" mein Basiscamp aufschlug (kannte ich von einer früheren Tour).

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Am nächsten Morgen brach ich mit "Schutzkleidung light" und noch weniger Gepäck (vieeel Wasser, wegen der Hitze) über den Plöckenpass nach Italien auf, schon in Sutrio verließ ich die Staatsstraße, meinem ersten Hochziel entgegen, dem Monte Zoncolan. Etwa 11 Kilometer auf breit ausgebauter Piste mit weiten Kehren sind es bis zum Großparkplatz am Skigebiet - wenig spektakulär - nix für mich! Aber es gibt ja noch die alte Zufahrt von Priola aus, einspurig, nur halb so lang, dafür doppelt so steil und enge Kehren ohne Ende - genau mein Ding! Die Passhöhe bietet einen fantastischen Rundblick über die Pesariner Dolomiten sowie Karnische und Julische Alpen - aber leider war es ziemlich dunstig.IMG_3728.thumb.JPG.4b60ef4e537cc3e3713ee1a9e542f95a.JPG

 

Die Abfahrt hinunter ins Deganotal führte genauso schmal durch drei dunkle Felstunnel und mit endlosen Kehren zunächst zurück in die Zivilisation nach Liariis (kein Schreibfehler) und weiter nach Ovaro. Wenige Radumdrehungen später verließ ich das Deganotal schon wieder in Richtung Mione, dem eigentlichen Tageshöchstziel entgegen - Passo Forcella und Malga Losa. Auch dies ist eine meist nur einspurige Piste mit jeder Menge engen Kehren und im oberen Abschnitt mit 28% (!) Steigung. Bis vor wenigen Jahren war dieser noch eine Schotterpiste, jetzt ist die Fahrbahn bis zur Passhöhe betoniert.

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Ab der Passhöhe ging es meist auf Schotter mit vielen Wasserablaufrinnen weiter, stärkere Steigungen sind allerdings auch hier inzwischen betoniert. Die Piste führte über ein weitläufiges Almengebiet an der Malga Losa vorbei hinüber zum Lago di Sauris, einige mit groben Felsplatten ausgemauerte Bachläufe waren dabei zu furten, aber kein Problem für mein Alteisen. Oberhalb von Lateis dann wieder Asphaltbelag mit Blick hinunter auf den türkisblauen Lago di Sauris - fantastico!

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Ausgiebige Fahrpause in der ersten (und wohl auch einzigen) Trattoria in Lateis, die Speisekarte auf deutsch? Na klar doch, Sauris und die umliegenden Orte bilden eine deutsche Sprachinsel im Friaul.  Am Seeufer entlang und über einige gut ausgebaute Kehren erreichte ich Sauris di Sopra.

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Hier musste ich mein Vorhaben aufgeben, über den Razzosattel ins Val Pesarina und über die Panoramica delle Vette zurück zum Plöckenpass zu fahren, über dem Kamm ballte sich ein kräftiges Gewitter zusammen - also nix wie weg! Zurück am See holte mich das Unwetter ein, der Starkregen begann schlagartig. In einem Unterstand für Forstarbeiter schlüpfte ich in die Regenkombi und wartete das Gröbste ab. Durch die größtenteils in Tunnels und Galerien führende Straße durch die Lumieischlucht erreichte ich Ampezzo im Tagliamentotal und kehrte auf der Staatsstraße über Tolmezzo und den Plöckenpass nach Kötschach-Mauthen in mein Basislager zurück. 

 

Ein Filmchen gibt es auch dazu: https://www.youtube.com/watch?v=jKQdk9_HmVU 

- wird fortgesetzt - 

 

 

Edited by Lutz
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Herzlichen Dank für den wunderschönen Reisebericht, er macht Lust darauf, selbst einmal wieder in diese Gegend zu fahren!

Grüße, Andreas

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vor 6 Stunden schrieb Lutz:

Mindestens einmal im Jahr brauche ich einen mehrtägigen "Lonely-Rider-Ritt", der meist in die Alpen führt.

So ein "Lonely-Rider-Ritt" unternehme ich auch gerne in die Eifel ! Gut das es entsprechende Ausrüstung bei Sergio Leone gibt .... natürlich ohne Kanone !

Lonely-Rider Staubmantel:

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Bollergruß,

Blofeld

Edited by Blofeld

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Hi Lutz,

 

Kötschach Mauthen kenne ich wohl, vorletztes Jahr dort gewesen.

Und die Gewitter die von dort nach Italien ziehen kenne ich auch, zumindest einige. Haben mir damals meie Tour nach Italien versaut. Aber Gailberg, Kötschach etc, geile Ecke. Wenn alles klappt, bin ich Anfang Juni dort, nach dem Forumstreffen.

Manfred

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