Major B. Kloppt Posted 3 hours ago Share Posted 3 hours ago Ich möchte etwas zur Forumskultur, vielleicht auch etwas darüber hinaus beitragen. Ein "How to" für Rhetorik und Logik im Diskurs. DE_LogicalFallaciesInfographic_A1.pdf Typische Sünden der Logik werden meiner Meinung nach grandios auf einer meiner Lieblingsseiten zusammengefasst: "Du sollst keine logischen Fehlschlüsse ziehen: https://yourlogicalfallacyis.com/de" Zusätzlich möchte ich hier die rhetorischen Sünden selbst darstellen. Doch was ist Rhetorik überhaupt? Die Rhetorik ist die Kunst der Überzeugung in einem Diskurs. Doch wer nicht präzise, respektvoll oder logisch argumentiert, begeht rhetorische Sünden. Diese verhindern eine konstruktive Kommunikation und lassen den Sender oft unglaubwürdig oder manipulativ erscheinen. Zum Beispiel: 1. Verstöße gegen die Fairness (Manipulation & Untergraben) Diese Sünden zielen darauf ab, den Gegner persönlich anzugreifen, statt sich mit der Sache auseinanderzusetzen. - Ad Hominem (Der persönliche Angriff): Statt das Argument zu widerlegen, wird der Charakter oder die Person des Gegenübers angegriffen (z. B. „Was du sagst, ist falsch, weil du keine Ahnung von der Welt hast“). - Das Strohmann-Argument: Dem Gegenüber wird eine verzerrte oder überspitzte Version seiner Aussage untergeschoben, die dann leicht zu widerlegen ist. - "Whatabout"-ismus: Ein Thema wird abgewehrt, indem man auf ein anderes, oft unzusammenhängendes Fehlverhalten des Gegenübers verweist („Aber was ist mit...?“). - Totschlagargumente: Aussagen, die jede weitere Diskussion unterbinden, weil sie pseudounwiderlegbar sind (z. B. „Das war schon immer so“ oder „Das verstehst du nicht“). 2. Logische und Argumentative Fehler: Diese Sünden machen eine Argumentation inhaltlich wertlos. - Zirkelschluss (Petitio Principii): Die Behauptung wird durch sich selbst begründet (z. B. „Gesetze sind wichtig, weil sie gesetzlich vorgeschrieben sind“). - Falsche Dilemmata: Man stellt eine Situation so dar, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten – meist eine gute und eine schlechte –, obwohl es weitere Optionen gibt. - Post hoc ergo propter hoc: Der Irrtum, dass nur weil etwas *nach* etwas anderem passiert ist, das Erste die Ursache des Zweiten sein muss (praktisch eine falsche Kausalität). - Verallgemeinerung (Induktionsfehler): Von einem Einzelfall wird auf die Allgemeinheit geschlossen („Ich habe einen schlechten Service erlebt, also sind alle Mitarbeiter dort inkompetent“). 3. Sprachliche & Stilistische Mängel: Diese Sünden behindern den Fluss und die Verständlichkeit der Botschaft. - Weichmacher/Füllwörter-Inflation: Der übermäßige Gebrauch von „halt“, „eigentlich“, „gewissermaßen“. Dies lässt den Sender unsicher oder unvorbereitet wirken. - Nominalstil: Übermäßig viele Substantive machen Sätze schwerfällig und unpersönlich („Die Durchführung der Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften erfolgte...“). - Schachtelsätze: Verschachtelte Nebensätze überfordern das Gehirn des Zuhörers; die Kernbotschaft geht verloren. - Fachjargon-Überdosis: Wenn der Sender Begriffe nutzt, die der Empfänger nicht versteht, um sich elitär oder kompetenter darzustellen (sog. „Elfenbeinturm-Syndrom“). 4. Psychologische & Ethische Sünden: Hier liegt das Problem in der Haltung des Senders gegenüber des Empfängers. (Auf diese bin ich hochallergisch) - Arroganz und Belehren: Wenn der Sender von oben herab spricht und dem Gegenüber das Gefühl gibt, intellektuell unterlegen zu sein. - Emotionale Erpressung: Der Versuch, das Publikum nicht durch Argumente, sondern durch Angst, Mitleid oder Schuldgefühle zu beeinflussen. - Die „Wir-Falle“: Der missbräuchliche Gebrauch von „Wir“, um dem Zuhörer eine Meinung aufzudrängen, der er möglicherweise gar nicht zustimmt („Wir alle wissen doch, dass...“). - Ewiglanges Reden (Monologisieren): Das Missachten der Zeit und der Aufmerksamkeitsspanne des Gegenübers durch endloses Ausführen von Nebensächlichkeiten. Zusammenfassend kann man sagen: Die größte rhetorische Sünde ist der Verlust der Glaubwürdigkeit; des eigenen "Ethos". Wer seine rhetorischen Mittel und seine Logik nicht in den Dienst der Wahrhaftigkeit und des respektvollen Austauschs stellt, wird langfristig nicht überzeugen, sondern lediglich überreden. Ich lade Jeden ein sich dem anzunehmen. Oder man lässt es bleiben, auch in Ordnung. Wir können uns unsere Welt hier praktisch selber gestalten, warum sollte sie nicht etwas gutes sein? 1 Quote Link to comment Share on other sites More sharing options...
Aragon Posted 2 hours ago Share Posted 2 hours ago Oh,bevor ich den Anhang geöffnet habe, dachte ich du seist einer der großen Philosophen. Das soll natürlich nicht den guten Willen deines Beitrags schmälern, die Diskussionskultur hier im Forum in die Spur zu bringen. Interessante Auflistung. Gruß Quote Link to comment Share on other sites More sharing options...
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