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Moin, ich bin noch relativ neu in der Motorradwelt und habe mich in letzter Zeit ziemlich intensiv mit der Theorie rund ums Motorradfahren beschäftigt – also Dinge wie Nachlauf und Stabilität, Kurventechnik, Blickführung, Kamm’scher Kreis, Motor richtig einfahren und warmfahren, Reifen usw. Alles Themen, die in der Fahrschule meiner Meinung nach gar nicht oder nur sehr oberflächlich angesprochen wurden. Auf YouTube gibt es viele Videos von Louis mit Kay („Der Motorradladen“). Er sagte einmal: „Macht euch bewusst, dass ihr mit einem Motorrad ein hochkomplexes Gefährt gewählt habt.“ Und ja – natürlich fährt man ein Motorrad anders als ein Auto. Am Anfang dachte ich auch, dass das Ganze ziemlich kompliziert werden könnte, weil man ja viel mehr beachten muss. Inzwischen habe ich etwa 500 km mit meiner Moto Guzzi V7 gefahren und irgendwie habe ich den Eindruck bekommen, dass das ganze theoretische Wissen zwar interessant und hilfreich ist, man im normalen Straßenverkehr aber vieles davon gar nicht aktiv anwenden muss. Wenn man mit Verstand fährt, sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält und eine 70er-Kurve auch wirklich mit etwa 70 km/h fährt und nicht mit 130 km/h, dann lassen sich die meisten Kurven völlig problemlos fahren. Mal abgesehen von der Blickführung – die halte ich für extrem wichtig. Möglichst weit in die Kurve schauen und lernen, die Straße zu „lesen“, hilft enorm dabei, Situationen früh zu erkennen und richtig zu reagieren. Auch dass es einen Unterschied macht, ob ich mich eher innen oder außen in der Spur positioniere, verstehe ich natürlich. Dadurch kann man weiter in die Kurve hineinschauen. Aber wenn ich nicht rase und vernünftig fahre, bin ich meiner Meinung nach selten in einem Bereich, in dem ich das wirklich ausreizen muss. Natürlich ist es gut zu wissen, was das Motorrad physikalisch kann und wo die Grenzen liegen. So hat man beim Fahren immer noch Reserven und weiß: Wenn eine Kurve doch enger wird als gedacht, kann man notfalls mit etwas mehr Schräglage korrigieren. Ich fahre meine Kurven auch nicht perfekt nach Lehrbuch. Meist fahre ich mittig oder leicht rechts in meiner Spur und bleibe dort auch in der Kurve. Wenn dort doch einmal etwas auf der Straße liegt, habe ich immer noch genug Reserve zum Ausweichen – einfach weil ich die Kurven in einem Tempo fahre, das zur Straße und zum Tempolimit passt. Man bekommt auf YouTube und in manchen Videos manchmal den Eindruck, dass viele Leute ihre 1000-ccm-Maschinen mit über 100 PS mit deutlich überhöhten Geschwindigkeiten durch die Kurven jagen, Hang-Off fahren, mit dem Knie schleifen und die Landstraße quasi zur Rennstrecke machen. Ich habe mich mit der V7 ganz bewusst für ein eher entspanntes Motorrad entschieden, das für mich persönlich immer noch deutlich mehr Leistung hat, als ich eigentlich brauche. Vielleicht bin ich mit meinen 500km aber auch einfach zu blauäugig und ihr widersprecht mir...Fahrsicherheitstraining wird nach 1500km aber auf jedenfall gemacht. Man lernt nie aus und interessant ist das Alles ja schon Mein Fazit bis jetzt: Blickführung und vorrausschauendes, vernünftiges Fahren sind essentiell, alles andere "nice to know" und gehört eher auf die Rennstrecke. Wie macht ihr das: Denkt ihr beim normalen Fahren bewusst über solche Techniken nach, seid ihr doch mal schneller unterwegs als erlaubt und müsst deswegen Kurven schneiden, oder ist das eher Hintergrundwissen und man fährt mit der Zeit einfach intuitiv bzw. man braucht das alles wirklich nicht, wenn man mit Verstand und Vernunft fährt? Danke!
