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Thema: Kupplungswechsel Breva 750

  1. #1
    Senior Member Avatar von lozärn
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    Ingo
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    Kupplungswechsel Breva 750

    Hallo Alle

    Ich brauch nochmal eure Hilfe. Bin gerade dabei die Kupplung an meiner Breva zu wechseln. Jetzt wollte ich die Kranzplatte mit der Kupplungsplatte verschrauben. Leider fehlt im Reparaturhandbuch die Angabe des Drehmoments zum Anziehen der sechs M6-Schrauben. Da steht im Anhang zum Kapitel "Kupplung" Befestigungsmutter der Kurbelwelle - 100 Nm. Aber nichts bezieht sich definitiv auf diese Schrauben. Nur eine Angabe "Kettenblatt - 10 Nm". Kann es sein das Kettenblatt und Anlasserkranzplatte dasselbe sein sollen? Wobei mir 10 Nm für die Schrauben doch etwas wenig erscheint... 20 Nm fühlen sich aber schon zu fest an. Hab Angst dass ich überdrehe.

    Wer weiss Rat?

    Übrigens: Wer das auch mal vor hat und sich zum zentrieren der Kupplungsscheibe das Spezialwerkzeug bestellen möchte... Lasst es sein. Entweder fehlt ein Teil mit der Verzahnung für die Scheibe oder der Konstrukteur dieses Werkzeugs war besoffen. Da ist nur ein Rundeisen ohne Kranz mit rundum etwa 5 mm Luft zum Innenverzahnten Kranz der Kupplungsscheibe. Besser man zentriert die Scheibe direkt mit dem Getriebe. Lose aufsetzen bis die Verschraubungen der Kupplungsglocke mit dem Motorblock passen. Dann vorsichtig wieder abnehmen und die Schrauben fest ziehen. Geht meiner Meinung nach besser als mit dem "Ding".

    Gruess, Ingo

  2. #2
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    10 Nm ist für Schrauben in Qualität 8.8 korrekt; diese Nummer müsste auf dem Kopf zu lesen sein. Zur Sicherheit verwendet man zusätzlich Schraubensicherungs-Mittel wie z. B. Loctite.
    Ich empfehle, wenn möglich das englische Handbuch zu benutzen, nicht die noch schlechtere deutsche Übersetzung. Dort steht "ring gear fixing screws" = 10 Nm, das versteht man besser.
    Da es keine Befestigungsmutter der Kurbelwelle gibt, halte ich die 100Nm für einen Druckfehler. Wäre nicht der erste in einem Guzzi-Handbuch.

    ciao Rudi

  3. #3
    Senior Member Avatar von lozärn
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    Danke Rudi

    Mein Bauch und ich denken, dass Du Recht hast. Mach ich so.
    Bilder von der Arbeit werde ich hier später auch noch einstellen als Arbeitshilfe für Andere.

    Gruess, Ingo

  4. #4
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    Zur doppelten Sicherheit: http://www.schrauben-normen.de/anziehmomente.html
    Dort sind 9 Nm bei M6 8.8 angegeben ..

    ciao Rudi

  5. #5
    Senior Member Avatar von lozärn
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    Oh super

    Eine Tabelle. Werde mich mal eingehend mit der Sache beschäftigen. Mit einer Guzzi ist einem eben nie langweilig. Und man lernt immer was dazu!
    Danke nochmal!!

  6. #6
    Senior Member Avatar von lozärn
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    Kupplungswechsel selber machen


    Also wie versprochen kommt hier eine bebilderte Anleitung zum Kupplungwechsel bei meiner Breva 750. Da auch die Nevada, die V7 II und die V65 das gleiche Getreibe verbaut haben gilt diese Anleitung im Grundsatz auch für diese Modelle.

    Kurz zum Aufbau meiner Anleitung. Ich habe nicht den kompletten Motor ausgebaut! Und das ist meiner Meinung nach auch nicht nötig. Man kommt sehr gut an alle Teile und Komponenten heran wenn man gutes Werkzeug zur Verfügung hat. Zumindest ist das mein Eindruck. Der Wechsel sämtlicher Öle versteht sich beim Aufwand dieser Reparatur von selbst. Ein Werkstatthandbuch ist sehr hilfreich. Ihr findet es im Internet mit ein bisschen Initiative sehr leicht als PDF.

    Das Motorrad ist gut gegen Umfallen zu sichern und eine Hebevorrichtung (Kettenflaschenzug) sollte vorhanden sein. Das ist wirklich Elementar damit die Operation auch gut gelingt. Ich habe mir für das Vorderrad eine Halterung aus einer kleinen Holzpalette und einem Spanngurt selber gebaut. Wie man auf den Bildern gut erkennen kann.
    Als erstes sollte man nun das Motorrad lotrecht hängen und den Seitenständer mit einem Keil unterstellen. Dann sämtliche Öle ablassen und alles gut austropfen lassen. Am Besten über Nacht. Dann gehts los.


    Name:  P1020037.jpg
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    Hier seht ihr die Palette die ich auf etwas mehr als Reifenbreite rechteckig ausgeschnitten habe. Links und rechts zwei Stützbalken angeschraubt und mit einem Keil und dem festgezurrten Spanngurt kippt nichts mehr um. Das Motorrad am Heck mit dem Flaschenzug verbinden um es anheben zu können. Später, wenn der Tank abgebaut ist, wird der vordere Rahmen in Höhe der Zündspule auch noch an den Flaschenzug gehängt.

    Name:  P1020075.jpg
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    So muss das Ganze aussehen


    Dann kanns endlich los gehen. Aus- bzw abgebaut werden: Der Auspuff, die Schwinge mit Hinterrad, Tank und Sitzbank, Batterie, Anlasser, Hilfsrahmen, sonstige Anbauteile und Motoraufhängung inkl. Seitenständer bzw Hauptständer. Dazu alle beweglichen Teile abbauen die an irgendwelchen Bowdenzügen und Schrauben hängen. Als Richtlinie haltet ihr euch ans Werkstatthandbuch zum Thema Motor ein und ausbauen. Wichtig: Macht euch von jedem Detail Fotos. Beschriftet alles nochmal extra (Bauteil, Ort) und belasst sämtliche Schrauben möglichst an Ort und Stelle. Auch Wichtig: So Dinge wie Lichtmaschinenstecker und Drehzahlsensor können dran bleiben. Das ist nicht relevant. Auch die Einspritzanlage muss nicht vollständig ausgebaut werden. Es werden lediglich die Einspritzdüsen, der Öltemperaturfühler und die dazugehörigen Kabel gelöst. Mehr ist nicht nötig!

    Wenn alles abgebaut ist und der Motor frei liegt (vorher mit Holzteilen auf Originalhöhe (!!) unterfüttern damit er nicht absinkt (!!) ) löst ihr die sechs Schrauben der Kupplungsglocke an der auch das Getriebe hängt. Das sind alles Inbusschrauben mit 25 Nm angezogen. Für die oberste mittige Schraube benötigt ihr vermutlich ein Rohr als Hebelverlängerung um sie zu lösen weil sie schwer zugänglich ist. Nun kommt ein wichtiger Schritt, wenn ihr alleine arbeitet so wie ich. Umschlingt das Getriebe mit einem einfachen Sapnngurt damit es nicht herunter fallen kann wie auf dem Foto zu sehen.

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    Nicht zu fest damit ihr etwas Spielraum habt. Nun langsam mit dem Kettenzug den Rahmen weiter anheben. Der Motor bleibt dabei auf den Holzböcken stehen und der Rahmen bewegt sich über das Getriebe hinaus. Nun vorsichtig mit einem Lederhammer oder Gummihammer das Getriebe vom Motorblock abklopfen. Schön vorsichtig abwechselnd links und rechts schlagen. Nicht zu fest.

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    Das Getriebe samt Kupplungsglocke ist wirklich leicht. Also keine Angst haben, dass ihr es nicht fangen könnt. Easy
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken  
    Geändert von lozärn (Heute um 17:55 Uhr)

  7. #7
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    Teil 2


    Wenn das Getriebe abgezogen ist geht die Arbeit am Motor weiter.
    Um an die Kupplungsscheibe zu gelangen muss die Kranzplatte runter. Dazu gibt es ein Spezialwerkzeug um die Platte zum lösen der Schraube in Position zu halten. Ich habe dieses Werkzeug nicht gehabt und habe mir statt dessen mit einer grösseren Schraubzwinge geholfen. Nicht zu fest anziehen, damit nichts verbiegen kann oder sonstwie Schaden nimmt. Es geht nur darum die Platte daran zu hindern, dass sie sich drehen kann.

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    Die Schrauben sind nicht besonders fest, nur 10 Nm.
    Wenn die Platte runter ist, sieht man endlich die Kupplungsscheibe. Nun könnte man sie einfach abziehen und die neue aufsetzen (auf die richtige Einbauseite achten!!).
    Da bei meinem Motor aber auch der Kurbelwellensimmerring defekt war, musste ich noch ein wenig tiefer gehen.

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    Den Sprengring entfernen entfernen und die dahinter liegende, konische oder auch kegelförmige Scheibe herausnehmen (ist einfach lose drin).

    Jetzt seht ihr die sechs Schrauben der Druckplatte. Im Werkstatthandbuch ist von einer gelben Markierung die Rede. Auf diese soll beim zusammenbau geachtet werden, damit wieder alles "in Flucht" eingebaut werden kann. Die gelbe Markierung war aber unvollständig und ich habe darum eine eigene angebracht.

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    ...in Teil drei gehts weiter...

  8. #8
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    Teil drei

    Auch die Druckplatte muss mit der Schraubzwinge arretiert werden. Dann kann man die sechs Schrauben mit 45 NM lösen. Dahinter findet man dann den Kurbelwellensimmerring.

    Name:  P1020106.jpg
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    Man sieht ganz gut, dass am Simmerring vorbei das Öl ins Kupplungsgehäuse eingedrungen ist. Dieses verschmiert die Kupplungsscheibe und führt dazu, das sie nicht mehr richtig schlüssig greift. Die Kupplung "rutscht".
    Den Simmerring ausgesprochen vorsichtig mit einem Schraubenzieher und einer Spitzzange aus seinem Sitz entfernen. Aufpassen, dass es keine Kratzer am Motorblock gibt!! Sonst tritt dadurch wieder Öl ein und es wäre aussichtslos das wieder in den Griff zu bekommen. Die Kratzer lassen sich ja nicht auffüllen.
    Auch für die Montage des neuen Ringes gibt es ein Spezialwerkzeug. Mein Spezialwerkzeug der Wahl war aber ein Lederhammer Schön vorsichtig den Ring eintreiben. Aufpassen, dass nichts verkantet und vor der Montage die Seiten des Ringes mit wenig Öl (kein Fett) einstreichen, damit dieser besser in seinen Sitz gleitet.

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    Auf diesem Bild sieht man das vom Kurbelgehäuse her eingedrungene Motorenöl...


    Weiter mit Teil 4...
    Geändert von lozärn (Heute um 17:44 Uhr)

  9. #9
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    Teil 4

    Jetzt geht es ans zusammen bauen.
    Im Prinzip alles wieder rückwärts. Aber man muss dennoch auf ein paar wichtige Details achten.
    1. Die Kupplungsscheibe besteht ja aus der Reibfläche und der Metallplatte in der Mitte auf der die Reibflächen aufgebracht sind. Diese Metallplatte ist auf einer Seite deutlich nach aussen gewölbt. Diese gewölbte Seite muss beim Einbau auf euch zeigen!! Man kann die Platte theoretisch auch andersherum verbauen. Aber dann arbeitet sie nicht richtig. Also immer die gewölbte Seite vom Motorblock wegzeigend montieren.

    2. Es gibt ein Spezialwerkzeug zum zentrieren der Kupplung. Das dient aber nur dazu, das die Zahnradplatte inklusive Kupplung einfacher montiert werden kann. Zum zentrieren der Kupplungsscheibe taugt sie nicht. Gar nicht!! Lasst das Teil im Laden. Das ist völlig unnötig denn es geht auch ohne. Und zwar so:
    Die Kupplungsscheibe zusammen mit der Druckplatte festhalten. Drei Schrauben in die Kranzplatte eindrehen und handfest anziehen. Dann die restlichen drei handfest anziehen. Die Kupplungsscheibe von Hand nach Augenmass zentrieren. Nun nehmt ihr das Getriebe und führt mit der Kupplungswelle das Gehäuse passend zu den Schraublöchern von Kupplungsgehäuse/Motorblock. So wird die Kupplungsscheibe automatisch richtig zentriert. Das Getriebe vorsichtig wieder abziehen (es ist wirklich leicht vom Gewicht her und somit ist es kein Problem das sauber wieder abzuziehen.) Nun nehmt ihr eine nach der andern die sechs handfesten Schrauben wieder raus und schraubt sie mit etwas Schraubenkleber mit 10 Nm wieder an (sind im WHB mit 100 Nm angegeben - aber das ist falsch). Immer über Kreuz!! Fertig.

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    3. Wenn das Getriebe wieder an den Motorblock angeschraubt ist, die sechs Schrauben der Kupplungsglocke mit 25 Nm festgezogen sind und der Motor bei der Montage nicht verrutscht ist, sollte alles zusammen ganz einfach wieder in den Rahmen gleiten. Ohne viel Aufwand. Versucht man das Getriebe von Hand zuerst in den Rahmen und dann an den Motor zu führen, dann ist das fast aussichtslos. Andersherum geht es eindeutig besser!


    4. Beim Zusammenbau ist das anbringen der Schwinge mit dem Kardan etwas tricky. Am besten geht es zu zweit. Oder aber wieder mal mit dem Spannriemen.

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    Auf ausreichend Fett an der Ausgangswelle des Getriebes achten. Die Kardanwelle zuerst auf die Ausgangswelle schieben. Dann im "Kardantunnel" auf das Kardangetriebe stecken (auch hier ausreichend fetten). Andersherum geht es nicht. Und ich bin geduldig...

    Achtet beim Zusammenbau darauf, dass ihr euch an die im WHB angegebenen Drehmomente haltet. Gerade im Bereich der Aufhängung und der Bremsen ist das hochwichtig!!
    An Werkzeug benötigt ihr einen gut sortierten Werkzeugkasten mit guten Inbusschlüsseln, verschiedene Drehmomentschlüssel und natürlich einen Lederhammer

    Ich hoffe, diese Anleitung kann mal jemand gebrauchen. Sie basiert auf Erfahrung und nicht auf Fachwissen. Aber meine Breva läuft wieder wie Neu. Also hab ich wohl was richtig gemacht.
    Gruess und gutes Gelingen,
    Ingo
    Geändert von lozärn (Heute um 18:03 Uhr)

  10. #10
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    Hallo Ingo,
    Gute und nützliche Anleitung!

    Geht das bei der Breva eigentlich nicht mehr so wie bei den alten kleinen? Also die Rahmenschrauben trennen und dann das Oberteil einfach wegschieben und den Antriebsstrang auf dem Hauptständer stehen lassen? Fand ich sehr praktisch an meiner ex-V50.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken  
    Viele Grüße aus dem Bergischen Land!

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